Schweinekrankheiten – der Überblick für Ihren Betrieb*

Es ist der Alptraum in jedem Schweinebetrieb: Ein Tier erkrankt und schon sind alle anderen Tiere in Gefahr, denn viele Schweinekrankheiten verbreiten sich sofort im gesamten Bestand. Ein Hauptproblem dabei: Welche Krankheit ist es überhaupt, wie erkennt man sie rechtzeitig, was kann man dagegen tun und was MUSS man tun?

Schweinekrankheiten gehören wohl zu den größten wirtschaftlichen Risiken in der modernen Schweinehaltung. Ein Ausbruch kann einen Betrieb innerhalb weniger Tage durch Tierverluste, Behandlungskosten, Vermarktungsverbote oder behördliche Auflagen massiv schädigen. Gleichzeitig ist die Bandbreite der möglichen Erkrankungen enorm: Sie reicht von häufigen, aber harmlosen bakteriellen Infektionen über gefährliche Viruserkrankungen bis hin zu anzeigepflichtigen Tierseuchen, die weitreichende staatliche Maßnahmen auslösen.

Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Schweinekrankheiten, mit Fokus auf Symptome, Ursachen und Therapieansätze. Für die drei Erkrankungen PRRS, Afrikanische Schweinepest und Rotlauf stehen Ihnen zudem separate, vertiefende Ratgeberseiten zur Verfügung. Weitere häufige Krankheiten werden hier ausführlich nach dem Schema Symptom – Ursache – Therapie beschrieben.

Darüber hinaus erfahren Sie, welche besonderen Gesundheitsrisiken für Ferkel, Sauen und Eber bestehen, welche rechtlichen Meldepflichten gelten und welche Praxismaßnahmen betroffene Betriebe sofort ergreifen können.

* Haftungsausschluss: Die hier bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen weder eine tierärztliche Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung noch eine individuelle tierärztliche Beratung. Sie stellen keine Handlungsempfehlung dar und können die fachliche Beurteilung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte sowie für wirtschaftliche Ergebnisse oder Entscheidungen übernommen werden.

Inhaltsverzeichnis

Unsere Services rund um die Schweinehaltung

Unsere Experten für Schweinehaltung begleiten Sie mit Fachwissen und langjähriger Stallpraxis. Wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen individuelle Lösungen, die zu Ihrem Betrieb passen, wie etwa Stallhygiene, Fütterungsberatung, Tiergesundheitskonzepte oder Biosicherheitsmaßnahmen. Sie erreichen uns unkompliziert per E-Mail, über das Kontaktformular oder direkt vor Ort an unseren BayWa-Standorten. Unser Ziel ist es, Sie langfristig und persönlich auf dem Weg zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Schweinehaltung zu unterstützen.

Auf einen Blick – die wichtigsten Schweinekrankheiten im Überblick*

Krankheit Erregertyp Hauptsymptome Meldepflicht Impfung

Afrikanische Schweinepest (ASP)

Virus

hohes Fieber, Hautblutungen, Todesfälle

anzeigepflichtig

nein (EU, Stand 2026)

Klassische Schweinepest (KSP)

Virus

Fieber, Blutungen, Durchfall

anzeigepflichtig

nein (im Nicht-Seuchengebiet)

PRRS

Virus

Atemnot, Aborte, Ferkelverluste

meldepflichtig

ja

Rotlauf

Bakterium

Rhombenflecken, Fieber, Lahmheit

nicht anzeigepflichtig

ja

Schweinegrippe (Influenza)

Virus

Husten, Fieber, Atemnot

nicht anzeigepflichtig

ja

Circovirus / PCV2

Virus

Abmagerung, Kümmern, Hautflecken

nicht anzeigepflichtig

ja

Lawsonia intracellularis (PIA)

Bakterium

Durchfall, schlechte Zunahmen

nicht anzeigepflichtig

ja

Schweinedysenterie

Bakterium

blutiger Schleimkot, Gewichtsverlust

nicht anzeigepflichtig

nein

Maul- und Klauenseuche (MKS)

Virus

Bläschen, Lahmheit, Fieber

anzeigepflichtig

nein (im Nicht-Seuchengebiet)

Leptospirose

Bakterium

Aborte, Nierenversagen

meldepflichtig (Zoonose)

ja

Ödemkrankheit (E. coli)

Bakterium

Ödeme, Neurologisch, Todesfälle

nicht anzeigepflichtig

ja

Sarcoptes-Räude

Parasit (Milbe)

Juckreiz, Schuppenbildung, Leistungsabfall

nicht anzeigepflichtig

nein

* Haftungsausschluss: Die hier bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen weder eine tierärztliche Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung noch eine individuelle tierärztliche Beratung. Sie stellen keine Handlungsempfehlung dar und können die fachliche Beurteilung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte sowie für wirtschaftliche Ergebnisse oder Entscheidungen übernommen werden.

Schweinekrankheiten – Kategorien im Überblick

Schweinekrankheiten lassen sich nach ihrer Ursache in vier Hauptgruppen einteilen. Diese Einteilung ist für die richtige Einschätzung und die Wahl der geeigneten Behandlung wichtig.

1. Viruserkrankungen: Bei viral bedingten Erkrankungen ist eine direkte antibiotische Therapie wirkungslos. Im Vordergrund stehen Prävention durch Impfung, Biosicherheit und unterstützende Behandlung. Zu den wohl bedeutsamsten Viruserkrankungen beim Schwein zählen die Afrikanische Schweinepest, PRRS, Circovirus-Erkrankungen, Schweinegrippe und die Klassische Schweinepest.

2. Bakterielle Erkrankungen: Bakterielle Infektionen sind in der Regel antibiotisch behandelbar – vorausgesetzt, die Therapie erfolgt frühzeitig und auf Basis eines Antibiogramms. Wichtige Vertreter sind Rotlauf, Lawsonia intracellularis, Schweinedysenterie und Leptospirose. Die zunehmende Antibiotikaresistenz macht eine verantwortungsvolle Anwendung unerlässlich.

3. Parasitenbefall: Ektoparasiten (äußere Parasiten) wie Räudemilben und Schweineläuse sowie Endoparasiten (innere Parasiten) wie Spulwurm und Peitschenwurm verursachen erhebliche Leistungseinbußen. Regelmäßiges Monitoring und gezielte Behandlung sind Standard in jedem gut geführten Schweinebetrieb.

4. Stoffwechsel- und Haltungskrankheiten: Erkrankungen wie Osteochondrose, Klauenprobleme oder hitzebedingter Stress können durch Haltungsmängel, falsche Fütterung oder genetische Disposition entstehen. Sie sind zwar keine Infektionskrankheiten, können aber erhebliche Tierschutz- und Wirtschaftlichkeitsprobleme verursachen.

Zoonosen – auf & von Menschen übertragbare Krankheiten

Menschen und Schweine sind sich physiologisch recht ähnlich, und das hat Konsequenzen: Einige Schweinekrankheiten können auf den Menschen übertragen werden. Dazu zählen:

  • Rotlauf (Erysipeloid)
  • Leptospirose,
  • E, Salmonellose
  • in seltenen Fällen – Schweinegrippe-Viren

Auch Toxoplasmose aus unzureichend gegartem Schweinefleisch ist für bestimmte Risikogruppen (Schwangere, immungeschwächte Personen) relevant.

Was aber kann der Mensch auf das Schwein übertragen?

  • Da wären etwa Streptokokken, Streptococcus suis, ein Bakterium, das bei Schweinen und Menschen vorkommt und zwischen ihnen übertragen werden kann.
  • MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) sind antibiotikaresistente Keime, die sowohl bei Schweinen als auch bei betreuenden Personen auftreten.
  • Salmonellen-Bakterien können ebenfalls von infizierten Menschen auf Schweine übertragen werden.

Für Betriebsleiter und Mitarbeiter mit direktem Tierkontakt ist das Bewusstsein für Zoonosen daher besonders wichtig.

Wichtige Infektionskrankheiten im Detail

A) PRRS – Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom

PRRS zählt weltweit zu den wirtschaftlich bedeutsamen Schweineerkrankungen. Der Erreger ist das PRRS-Virus (Arterivirus), das in zwei genetischen Linien vorkommt: dem europäischen Typ 1 und dem nordamerikanischen Typ 2. Beide zirkulieren in deutschen Beständen.

Symptome:

  • Bei Sauen stehen Reproduktionsstörungen im Vordergrund wie Aborte, Totgeburten, Mumifizierungen und das Umrauschen.
  • Ferkel erkranken an schweren Atemwegsproblemen mit erhöhter Sterblichkeit.
  • Mastschweine zeigen Husten, Fieber und deutliche Leistungseinbußen.

Therapie: Eine kausale Therapie gegen das PRRS-Virus gibt es nicht. Eine Impfung (PRRS-Impfung) ist verfügbar, bietet aber aufgrund der hohen Variabilität des Virus keinen vollständigen Schutz. Entscheidend sind ein stabiles Bestandsmanagement, konsequente Biosicherheit und ein abgestimmtes Impfprogramm mit dem Bestandstierarzt.

B) Afrikanische Schweinepest (ASP)

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hoch ansteckende, fast immer tödlich verlaufende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen. In Deutschland sind seit 2020 Wildschweinbestände sowie einzelne Hausschweinehaltungen betroffen. Die Erkrankung ist anzeigepflichtig – ein bestätigter Ausbruch führt zur Keulung des gesamten Bestands.

Symptome:

  • hohes Fieber (über 40,5 °C)
  • Apathie
  • rötlich-bläuliche Hautverfärbungen an Ohren, Rute und Unterbauch
  • Atemnot
  • Durchfall
  • plötzliche Todesfälle

Therapie: Es gibt weder eine wirksame Behandlung noch einen in der EU zugelassenen Impfstoff (Stand 2026). Die Bekämpfung basiert ausschließlich auf Seuchenbekämpfungsmaßnahmen (Keulung, Sperrgebiete) und konsequenter Biosicherheit.

C) Rotlauf

Rotlauf ist eine bakterielle Erkrankung durch Erysipelothrix rhusiopathiae, die in nahezu jedem Schweinebestand latent vorhanden ist. Der Erreger ist umweltstabil und kann in Gülle, feuchten Böden und Kadavern monatelang überleben. Da es sich um eine Zoonose handelt, kann der Erreger auch auf den Menschen übergehen (Erysipeloid).

Symptome: Drei Verlaufsformen:

  • perakut: plötzliche Todesfälle ohne Vorzeichen
  • akut: Fieber 41 bis 42 °C, rautenförmige Hautflecken (sogenannte „Rotlaufdiamanten"), Lahmheit
  • chronisch: Arthritis, Endokarditis, Leistungsabfall

Therapie: Penicillin ist das Mittel der Wahl und wirkt in der Regel zuverlässig, wenn die Behandlung frühzeitig eingeleitet wird. Die Schutzimpfung gilt wohl als die wirksamste Vorbeugungsmaßnahme.

D) Schweinegrippe (Schweineinfluenza)

Die Schweinegrippe ist eine häufige Atemwegserkrankung in der Schweinehaltung weltweit. Der Erreger ist das Influenza-A-Virus (Subtypen H1N1, H1N2, H3N2), das sich extrem schnell über Aerosole überträgt. Die Erkrankung verläuft meist akut und schlagartig, besitzt ein moderates Zoonose-Potenzial für den Menschen und begünstigt gefährliche bakterielle Sekundärinfektionen im Bestand.

Symptome: Plötzliches, hohes Fieber (bis über 40,5 °C) bei fast allen Tieren einer Gruppe gleichzeitig, starker und trockener Husten, Atemnot, Nasenausfluss sowie akute Fressunlust und Apathie.

Therapie: Eine spezifische antivirale Behandlung gibt es nicht, die Therapie erfolgt symptomatisch mit fiebersenkenden und entzündungshemmenden Mitteln sowie Antibiotika bei bakteriellen Begleitinfektionen. Zur Vorbeugung stehen in der Regel wirksame Impfstoffe zur Verfügung, die das Krankheitsgeschehen deutlich abmildern.

E) Circovirus-Erkrankungen (PCV2 / PCVAD)

Das Porzine Circovirus Typ 2 (PCV2) ist wohl eines der am weitesten verbreiteten Viren in deutschen Schweinebeständen. Es kann verschiedene Krankheitsbilder auslösen, zusammengefasst unter dem Begriff PCVAD (Porcine Circovirus-Associated Disease).

Symptome:

  • PMWS (Postweaning Multisystemic Wasting Syndrome): Abmagerung, Verkümmerung, Blässe, geschwollene Lymphknoten – vor allem bei Absetzferkeln wenige Wochen nach dem Absetzen
  • PDNS (Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome): rötlich-violette, großflächige Hautflecken vor allem an der Hinterhand, kombiniert mit Nierenversagen, häufig tödlich
  • Reproduktionsstörungen bei Sauen: Aborte, Mumifizierungen, erhöhte Totgeburtenrate

Ursachen: PCV2 ist weit verbreitet und verursacht meist nur bei gleichzeitiger Immunschwäche oder Koinfektion klinische Symptome. Besonders kritisch ist das Zusammentreffen mit PRRS oder Mykoplasmen, da diese den Krankheitsverlauf erheblich verschlechtern.

Therapie: Eine kausale Therapie gegen das Virus gibt es nicht. Die PCV2-Impfung (Circovirus-Impfung) ist jedoch in der Regel hochwirksam und gehört zum Standardimpfschema moderner Schweinebetriebe. Ergänzend sind konsequente Stallhygiene, Stressreduktion und die Vermeidung von Koinfektionen in der Regel besonders wirksam.

F) Lawsonia intracellularis – Proliferative Ileitis (PIA)

Lawsonia intracellularis ist ein intrazelluläres Bakterium, das die Schleimhaut des Dünndarms befällt und zu einer Verdickung der Darmwand führt, daher der Begriff „Proliferative Ileitis“ (Schweinekrankheit PIA).

Symptome:

  • Die chronische Verlaufsform zeigt pastösen, grünlich-braunen Durchfall und schlechte Gewichtszunahmen bei Absetzferkeln und Jungmastschweinen.
  • Die akute Form (hämorrhagische Enteropathie) trifft vor allem ältere Mastschweine: blutiger, wässriger Durchfall, extreme Blässe und plötzliche Todesfälle.

Ursachen: direkter Tier-zu-Tier-Kontakt; begünstigt durch Stress (Absetzen, Umstallung), Futterwechsel und hohe Besatzdichte

Therapie: Antibiotische Behandlung mit Tylosin, Tiamulin oder Tetracyclinen ist möglich. Sehr effektiv ist in der Regel die orale Lebendvakzine, die direkt ins Trinkwasser gegeben werden kann und eine gute Schutzwirkung im Bestand aufbaut.

G) Maul- & Klauenseuche (MKS)

Deutschland gilt als offiziell frei von der Maul- und Klauenseuche, aber das Einschleppungsrisiko aus betroffenen Ländern besteht jederzeit und macht diese Erkrankung zu einem relevanten Thema für jeden Betrieb.

Symptome: Bläschen (Aphthen) bilden sich an Maul, Schnauze, Klauen und Gesäuge; die Tiere zeigen starke Lahmheit, Fieber, Fressunlust und deutlichen Leistungsabfall. Der Erreger befällt ausschließlich Klauentiere (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen).

Ursachen: Das MKS-Virus (7 Serotypen) überträgt sich extrem leicht über direkten Tierkontakt, Atemluft, Körpersekrete sowie über kontaminierte Fahrzeuge, Personen, Fleisch- und Tierprodukte. Es ist hochansteckend und umweltstabil.

Therapie: Im EU-Nicht-Seuchengebiet ist keine routinemäßige Impfung zugelassen. Die MKS ist eine anzeigepflichtige Tierseuche: bei Verdacht sofortige Meldung, Keulung des Bestands und Einrichtung von Sperrbezirken.

H) Schweinedysenterie

Erreger: Brachyspira hyodysenteriae – ein anaerobes Spirochäten-Bakterium, das den Dickdarm besiedelt

Symptome: mukohämorrhagischer Durchfall (schleimig-blutiger Kot), Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Mastschweine sind am häufigsten betroffen, bei unbehandelten Beständen können die wirtschaftlichen Verluste erheblich sein.

Ursachen: direkter Tierkontakt, Schadnager (insbesondere Ratten) als wichtige Vektoren, begünstigt durch schlechte Stallhygiene und fehlende Quarantäne bei Zukauf

Therapie: antibiotische Behandlung mit Tiamulin, Valnemulin oder Lincomycin in Absprache mit dem Tierarzt, konsequentes Hygienemanagement und Schadnagerbekämpfung. Ein zugelassener Impfstoff steht in der EU aktuell nicht zur Verfügung.

Besonderheiten bei Ferkel, Sau & Eber

Nicht alle Schweine tragen dasselbe Krankheitsrisiko. Alter, Geschlecht und Nutzungsart bestimmen, welche Erkrankungen besonders häufig auftreten und wie schwer sie verlaufen.

Erkrankungen & Risiken bei Ferkeln

a) Ferkeldurchfall / Coli-Diarrhö:

  • Symptome: wässriger, gelblicher Durchfall in den ersten Lebenstagen bis Wochen; Dehydratation, Schwäche, rasch eintretende Todesfälle
  • Ursachen: enterotoxigene Escherichia coli (ETEC); begünstigt durch Kolostrummangel, Temperaturschwankungen und schlechte Stallhygiene
  • Therapie: in der Regel Elektrolytlösungen und Flüssigkeitstherapie als Sofortmaßnahme, Antibiotika nach Antibiogramm, Impfung der Sau vor dem Abferkeln (passiver Schutz der Ferkel über das Kolostrum)

b) Ödemkrankheit:

  • Symptome: plötzliche Todesfälle, neurologische Symptome (Zittern, Ruderbewegungen, Krämpfe), Ödeme an Augenlidern und Kehlkopf, meist kurz nach dem Absetzen
  • Ursachen: Verotoxin-produzierende E. coli (STEC/VTEC); häufig im Zusammenhang mit Futterwechsel nach dem Absetzen und hoher Proteinzufuhr
  • Therapie: sofortige Futterumstellung, Reduktion des Rohproteingehalts; in akuten Fällen tierärztliche Behandlung; Impfung möglich

c) Clostridien-Enteritis (Clostridium perfringens Typ C):

  • Symptome: hämorrhagische Enteritis (blutige Darmentzündung mit massiven Darmschleimhautschäden) in den ersten Lebenstagen; extrem hohe Sterblichkeit
  • Ursachen: Clostridium perfringens Typ C; häufig bei unzureichendem Kolostrumschutz
  • Therapie: Impfung der Sau in der Trächtigkeit ist in der Regel die wirksamste Maßnahme, denn die Ferkel werden über das Kolostrum passiv geschützt.

d) PRRS bei Ferkeln: Saugferkel und Absetzferkel erkranken an schweren Atemwegssymptomen, die Sterblichkeit steigt erheblich. Die PRRS-Impfung für Ferkel ist ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Impfschemas.

e) Circovirus (PCV2 / PMWS): Absetzferkel sind die klassische Risikogruppe für das PMWS-Syndrom: Verkümmern, Abmagerung und Lymphknotenschwellung treten zwei bis drei Wochen nach dem Absetzen auf. Die PCV2-Impfung ab etwa der dritten Lebenswoche schützt in der Regel zuverlässig.

Impfschema für Ferkel

Ferkel sind in den ersten Lebenswochen besonders gefährdet. Ihr Immunsystem ist noch unreif. Der Schutz durch maternale Antikörper aus der Biestmilch klingt nach wenigen Wochen ab – genau dann, wenn Ferkel das Absetzen und die damit verbundenen Stressfaktoren bewältigen müssen.

Lassen Sie sich vom Bestandstierarzt ein betriebsspezifisches Impfprogramm erstellen. Die wohl wichtigsten Impfungen für Ferkel umfassen in der Regel PCV2, Mykoplasmen-Pneumonie und, je nach Bestandssituation, PRRS und Rotlauf.

Spezifische Erkrankungen der Sau

Sauen tragen eine besondere Verantwortung im Betrieb: Ihre Gesundheit beeinflusst direkt die Vitalität und Überlebensfähigkeit der Ferkel. Hier sind einige spezifische Erkrankungen der Sau aufgezählt.

a) MMA-Syndrom (Mastitis-Metritis-Agalaktie):

  • Symptome: hohes Fieber, Fressverweigerung, harte und gerötete Gesäugeleisten sowie Milchmangel kurz nach dem Abferkeln; die Ferkel verhungern, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird
  • Ursachen: multifaktoriell: mangelnde Abferkelhygiene, Stressfaktoren, falsche Kondition der Sau, bakterielle Infektionen durch E. coli oder Staphylokokken
  • Therapie: Behandlung mit Antibiotika, Oxytocin zur Milchanregung, entzündungshemmenden Mitteln (NSAIDs) in Absprache mit dem Tierarzt, langfristig: optimiertes Abferkelmanagement, Konditionskontrolle

b) Endometritis/Metritis:

  • Symptome: putrider (eitriger) Vaginalausfluss, Fieber, Umrauschen, reduzierte Fruchtbarkeitsleistung
  • Ursachen: Schwergeburten, mangelhafte Hygiene beim Geburtsmanagement, aufsteigende Keime
  • Therapie: antibiotische Lokalbehandlung oder systemische Antibiose je nach Schwere, Gebärmutterspülung in Absprache mit dem Tierarzt 

c) Reproduktionsstörungen durch PRRS, PCV2 und Leptospirose: Aborte, Totgeburten und Mumifizierungen sind häufig Folge viraler oder bakterieller Infektionen. Die Leptospirose (Leptospira spp.) befällt vor allem die Nieren und kann die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen. Zudem handelt es sich um eine Zoonose mit Meldepflicht.

d) Hepatitis E und Toxoplasmose: Beide Erkrankungen verlaufen beim Schwein meist klinisch stumm, sind jedoch für den Menschen, insbesondere für Schwangere und immungeschwächte Personen, als Zoonosen relevant. Unzureichend gegartes Schweinefleisch gilt als wichtiger Übertragungsweg.

e) Klauenprobleme und Laminitis: Lahmheit bei Sauen ist ein häufiges und unterschätztes Problem. Harte Betonböden, Übergewicht und mangelhafte Klauenpflege fördern Laminitis und Ballenhorn-Erkrankungen. Regelmäßige Klauenpflege und weiche Liegebereiche sind wichtige Präventionsmaßnahmen.

Erkrankungen des Ebers

Der Eber wird im Gesundheitsmanagement oft vergessen, dabei hat seine Gesundheit direkte Auswirkungen auf die Reproduktionsleistung des gesamten Bestands. Hier sind einige Krankheiten, die nur den Eber direkt betreffen können.

a) Osteochondrose (OC): degenerative Gelenkerkrankung, die vor allem bei schnell wachsenden Zuchtebern auftritt. Schmerzhafte Gelenkveränderungen schränken die Sprungfähigkeit ein und können zur vorzeitigen Ausmerzung führen. Ursachen: genetische Disposition, zu schnelles Wachstum, falsche Fütterung (übermäßige Energie), harte Böden

b) Balanoposthitis (Vorhautentzündung): Entzündung der Vorhaut und des Penisschafts, häufig durch aufsteigende Bakterien (zum Beispiel Actinobacillus seminis). Symptome: Ausfluss, Schwellung, Schmerz beim Deckakt, eingeschränkte Fertilität

c) Leptospirose beim Eber: Infizierte Eber können den Erreger über den Samen auf Sauen übertragen und so stille Reproduktionsverluste verursachen. Regelmäßige Spermakontrollen und serologische Untersuchungen sind empfehlenswert.

Gesundheitscheck des Ebers

Führen Sie vor jeder Decksaison eine tierärztliche Untersuchung des Ebers durch, inklusive Spermabeurteilung, Klauenkontrolle und serologischer Untersuchung auf Leptospirose und andere relevante Erreger.

Krankheiten an Haut & Gliedmaßen beim Schwein

Hautveränderungen sind die ersten sichtbaren Anzeichen bei vielen Erkrankungen. Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Einordnung. Die endgültige Diagnose muss immer der Tierarzt stellen.

a) Sarcoptes-Räude:

  • Symptome: intensiver Juckreiz, Kratzen und Scheuern, Schuppenbildung und Krustenbildung vor allem an Ohren, Augen und Rüsselscheibe, deutlicher Leistungsabfall durch Unruhe und gestörte Futteraufnahme
  • Ursachen: Die Milbe Sarcoptes scabiei var. suis gräbt Gänge in die Haut. Übertragung durch direkten Tierkontakt, aber auch über Stalleinrichtungen
  • Therapie: Injektionsbehandlung mit Ivermectin oder Doramectin (Pour-on-Präparate möglich) in Absprache mit dem Tierarzt; wichtig: den gesamten Bestand behandeln, nicht nur auffällige Tiere, gleichzeitige Stallreinigung und Desinfektion

b) PDNS (Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome):

  • Symptome: großflächige, rötlich-violette Hautflecken vor allem an Hinterhand und Flanken, kombiniert mit Nierenproblemen, häufig tödlicher Verlauf
  • Ursachen: assoziiert mit PCV2-Infektion, genaue Pathogenese noch nicht vollständig geklärt
  • Therapie: keine spezifische Therapie, PCV2-Impfung reduziert das Auftreten erheblich

c) Schweineläuse (Haematopinus suis):

  • Symptome: Juckreiz, Unruhe, bei starkem Befall Anämie, Läuse gut sichtbar an der Ohrinnenseite und an der Flanke
  • Therapie: Insektizidbehandlung (zum Beispiel Ivermectin) in Absprache mit dem Tierarzt, Stallbehandlung nicht vergessen, denn Eier überleben auf Einstreumaterialien

Atemwegserkrankungen beim Schwein

Atemwegserkrankungen sind in der Schweinemast nach Durchfallerkrankungen die wohl häufigste Ursache für wirtschaftliche Verluste. Oft liegen Mischinfektionen vor, bei denen mehrere Erreger gleichzeitig wirken.

a) Mykoplasmen-Pneumonie (Enzootische Pneumonie, EP):

  • Symptome: chronischer, trockener Husten, schlechte Futterverwertung, Kümmern; häufig Grunderkrankung, die Sekundärinfektionen durch Pasteurellen und Influenza-Viren begünstigt
  • Ursachen: Mycoplasma hyopneumoniae; direkte Übertragung über Atemluft; begünstigt durch schlechte Lüftung, Zugluft, hohe Besatzdichte
  • Therapie: in Abssprache mit dem Tierarzt Antibiotika (Tetracycline, Tiamulin, Valnemulin); Impfung sehr effektiv und empfohlen; Haltungsbedingungen verbessern (Lüftung, Besatzdichte)

b) Pleuropneumonie (APP – Actinobacillus pleuropneumoniae):

  • Symptome: akut: hohes Fieber, schwere Atemnot, blutiger Ausfluss aus Nase und Maul, plötzliche Todesfälle; chronisch: gelegentlicher Husten, Leistungsabfall
  • Ursachen: Actinobacillus pleuropneumoniae; hochansteckend; Stressfaktoren (Transport, Umstallung) begünstigen den Ausbruch
  • Therapie: frühzeitige Antibiose nach Antibiogramm (Penicilline, Florfenicol, Cephalosporine) in Absprache mit dem Tierarzt; Impfung verfügbar

c) Pasteurellose: häufig als Sekundärinfektion nach Mykoplasmen-Pneumonie oder Schweinegrippe, klinisch als Lungenentzündung mit Husten und Fieber, in Absprache mit dem Tierarzt antibiotisch behandelbar

Hinweis für die Praxis

Atemwegsprobleme im Bestand sind selten auf einen einzigen Erreger zurückzuführen. Erst durch eine gesicherte Diagnostik, wie etwa durch Bronchialspülproben oder Lungenuntersuchungen verendeter Tiere, kann ein gezieltes Therapie- und Impfkonzept erstellt werden.

Magen-Darm-Erkrankungen & Durchfall beim Schwein

Durchfall bei Schweinen ist ein vielschichtiges Problem. Je nach Erreger, Altersgruppe und Verlaufsform ist die richtige Maßnahme nämlich jeweils eine andere.

a) Salmonellose:

  • Symptome: Fieber, Durchfall (teils blutig), Lungenentzündungszeichen; Achtung: mögliche Zoonose
  • Ursachen: Salmonella spp. (vor allem S. Typhimurium); Eintrag über kontaminiertes Futter, Wasser oder Zukauftiere; Stress löst klinischen Ausbruch aus
  • Therapie: Antibiotika nach Antibiogramm in Absprache mit dem Tierarzt; strenge Hygiene; Zukaufkontrolle; Impfung verfügbar. Wichtig: In Deutschland gilt für Schweinehaltungen ein gesetzlich verpflichtendes Salmonellen-Monitoring (Salmonellen-Verordnung); Tier-kategorienabhängige Maßnahmen bei Grenzwertüberschreitung sind vorgeschrieben.

b) Clostridien-assoziierter Durchfall: Neben der bereits bei Ferkeln beschriebenen Enteritis können Clostridien auch bei Absetzferkeln und Mastschweinen zu Durchfall und Darmschäden führen. Impfung der Sau und konsequente Stallhygiene sind wichtige Präventionsmaßnahmen.

Zu Ferkeldurchfall, Schweinedysenterie und Lawsonia intracellularis (PIA) finden Sie detaillierte Informationen in den jeweiligen Abschnitten weiter oben.

Parasiten beim Schwein

„Da ist der Wurm drin“: Das will kein Schweinezüchter oder Mastbetrieb hören, passiert aber immer wieder. Parasitenbefall verursacht in vielen Betrieben erhebliche versteckte Verluste durch beeinträchtigte Futterverwertung, Leistungseinbußen und geschwächte Immunsysteme, die dann wiederum anfälliger für weitere Erkrankungen machen.

  • Spulwurm (Ascaris suum): Der wohl häufigste innere Parasit beim Schwein. Die Larven wandern durch Leber (Milk Spots) und Lunge und verursachen Husten; erwachsene Würmer im Darm verschlechtern die Futterverwertung erheblich. Regelmäßige Entwurmung und hygienisches Stallmanagement sind die entscheidenden Vorbeugemaßnahmen gegen den Spulwurm. Achtung, Zoonose: Der Spulwurm der Schweine (Ascaris suum) ist eng mit dem menschlichen Spulwurm (Ascaris lumbricoides) verwandt und kann zu einer Infektion (Askariose) führen.
  • Peitschenwurm (Trichuris suis): Befall im Blinddarm; bei starkem Befall Durchfall, Blutbeimengungen und Appetitlosigkeit. Kotuntersuchungen (Nachweis von Schweinepeitschenwurm-Eiern) ermöglichen eine frühzeitige Erkennung. Der Schweinepeitschenwurm (Trichuris suis) ist für den Menschen nur sehr eingeschränkt übertragbar, dieser Parasit ist streng wirtspezifisch.
  • regelmäßiges Parasitenmonitoring: Kotuntersuchungen sollten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements fest eingeplant sein. Dabei werden sowohl der Befall mit Rund- und Peitschenwürmern als auch Kokzidien erfasst. Die Entwurmung ist mit dem Bestandstierarzt abzustimmen und zu dokumentieren.

Meldepflichten & rechtliche Grundlagen: Was Schweinehalter wissen müssen

Das deutsche Tierseuchenrecht unterscheidet zwischen anzeigepflichtigen Tierseuchen und meldepflichtigen Tierkrankheiten. Für Schweinehalter ist diese Unterscheidung von ganz besonderer Bedeutung.

Anzeigepflichtige Schweinekrankheiten

Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen besteht die Pflicht zur sofortigen Meldung beim zuständigen Veterinäramt – bei Verdacht, nicht erst bei gesicherter Diagnose. Tierhalter und Tierärzte sind gleichermaßen meldepflichtig (§ 4 TierGesG). Verstöße können als Ordnungswidrigkeit oder Straftat geahndet werden.

Anzeigepflichtige Schweinekrankheiten (Auswahl):

  • Afrikanische Schweinepest (ASP)
  • Klassische Schweinepest (KSP)
  • Maul- und Klauenseuche (MKS)
  • Aujeszkysche Krankheit (Deutschland offiziell frei seit 2003, Anzeigepflicht bleibt bestehen)
  • Vesikuläre Schweinekrankheit (VSK)
  • Brucellose (Brucella suis) beim Eber

Was passiert nach der Meldung? Der Amtstierarzt untersucht den Bestand. Bei Bestätigung erfolgen: Sperrung des Betriebs, Probenentnahme an ein Referenzlabor (zum Beispiel Friedrich-Loeffler-Institut), bei positivem Befund Keulung des Bestands, Einrichtung von Sperrzonen und staatliche Entschädigung über die Tierseuchenkasse bei Einhaltung der gesetzlichen Pflichten durch den Landwirt.

Rotlauf ist nicht anzeigepflichtig

Rotlauf fällt als Erkrankung nicht unter die Anzeigepflicht. Dennoch sollte bei gehäuftem Auftreten stets der Hoftierarzt informiert werden, um eine gezielte Diagnose und Bestandsbetreuung sicherzustellen.

Meldepflichtige Tierkrankheiten

Die Meldepflicht für Krankheiten bei den Schweinen dient der statistischen Erfassung und ist weniger restriktiv als die Anzeigepflicht. Für Schweinehalter relevante meldepflichtige Erkrankungen sind:

  • PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom)
  • Leptospirose (Zoonose; beim Menschen zudem nach Infektionsschutzgesetz meldepflichtig)
  • Salmonellose (Monitoring-Pflicht in Mastbetrieben nach Salmonellen-Verordnung)
  • Trichinellen-Untersuchungspflicht bei der Schlachtung (gesetzlich vorgeschrieben)

Weitere rechtliche Verpflichtungen

Antibiotika-Anwendung und Dokumentation: Antibiotika dürfen in der Schweinehaltung ausschließlich nach tierärztlicher Verschreibung eingesetzt werden. Alle Anwendungen sind lückenlos im Bestandsbuch zu dokumentieren (§ 58c TAMG). Betriebe, die Therapiehäufigkeiten überschreiten, müssen an einem Beratungsgespräch mit dem Amtsveterinär teilnehmen. Ziel ist die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes und die Vermeidung von Resistenzbildung.

Tierschutzrecht: Kranke und verletzte Tiere müssen unverzüglich behandelt oder im schlimmsten Fall tierschutzgerecht getötet werden (§ 4a TierSchG). Ein Zuwarten ohne Behandlung ist tierschutzwidrig. Das DLG-Merkblatt 430 „Umgang mit kranken und verletzten Schweinen" gibt praxisnahe Orientierung.

Salmonellen-Verordnung: Für Schweinehaltungen gilt ein verpflichtendes Salmonellen-Monitoring. Je nach Kategorie (I bis III) sind spezifische Maßnahmen vorgeschrieben, die vom betrieblichen Hygienemanagement bis zu Handelseinschränkungen reichen können.

Entschädigungsregelungen: Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen erhalten betroffene Landwirte in der Regel eine staatliche Entschädigung für gekeulte Tiere und Folgekosten, immer vorausgesetzt, alle gesetzlichen Pflichten (Anzeige, behördliche Kooperation, Dokumentation) wurden eingehalten. Die Höhe der Entschädigung kann je nach Bundesland unterschiedlich hoch sein und wird über die jeweilige Tierseuchenkasse abgewickelt.

Praxistipps: Was betroffene Betriebe jetzt tun können

✓ tägliche Tierbeobachtung als Frühwarnsystem: Der wohl wichtigste Schritt ist der geschulte Blick des Betriebsleiters oder Tierpflegers: mindestens einmal täglich alle Tiere auf Auffälligkeiten kontrollieren – Fress- und Trinkverhalten, Bewegungsfreude, Kotbeschaffenheit, Atemfrequenz und Körperoberfläche. Auffälligkeiten sofort notieren (Datum, Tier-ID, Symptome)

✓ Normalwerte kennen und einordnen können: Normaltemperatur beim Schwein: 38,0 bis 39,5 °C. Fieber über 40,0 °C ist immer ein ernstes Warnsignal. Atemfrequenz: 15 bis 25 Atemzüge pro Minute. Abweichungen sofort tierärztlich abklären.

✓ Sofortmaßnahmen bei Krankheitsverdacht

  • betroffene Tiere unverzüglich in die Krankenbucht separieren
  • Körpertemperatur messen und dokumentieren
  • Tierarzt kontaktieren – keine Eigenmedikation ohne gesicherte Diagnose
  • bei Verdacht auf anzeigepflichtige Seuche: sofort Veterinäramt informieren – kein Abwarten

✓ Biosicherheit konsequent einhalten

  • Hygieneschleuse strikt nutzen: Schuhwechsel, Schutzkleidung, Händedesinfektion vor Stallzutritt
  • Besucherbuch führen; Zutritt auf notwendige Personen beschränken
  • Zukauftiere mindestens 2 bis 4 Wochen in Quarantäne stellen
  • Transportfahrzeuge nur gereinigt und desinfiziert auf den Hof lassen

✓ Impfprogramm strukturieren und einhalten: Ein betriebsspezifisches Impfprogramm ist keine Option, sondern Grundlage professioneller Schweinehaltung. Lassen Sie das Programm gemeinsam mit dem Bestandstierarzt auf Ihre Herde abstimmen und halten Sie die Impftermine konsequent ein. Dokumentation ist Pflicht.

✓ Futter- und Wasserqualität sichern: Regelmäßige Futtermitteluntersuchungen auf Mykotoxine, Keimbelastung und Nährstoffgehalte; Tränkanlage monatlich reinigen; Wasserqualität mindestens jährlich prüfen lassen

✓ lückenlose Dokumentation führen: alle Tierbewegungen (Zu- und Abgänge, Schlachtungen), Behandlungen, Impfungen und Verendungen dokumentieren. Diese Unterlagen sind im Seuchenfall für Behörden und Versicherungen unverzichtbar.

Impfprogramme & Prävention

Nach all den Gefahren für die Schweinegesundheit nun die gute Nachricht: Impfungen sind in der Regel effektive und kostengünstige Maßnahmen zur Vorbeugung schwerer Krankheitsverläufe in der Schweinehaltung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige verfügbare Impfungen.

Krankheit

Impfung verfügbar

Hauptziel-

gruppe

Grundimmunisierung

Auffrischung

Rotlauf

ja

alle Schweine

2 x im Abstand von 3 bis 4 Wochen

alle 6 Monate

PCV2 / Circovirus

ja

Ferkel (ab ca. 3. Woche)

1 bis 2 Dosen

produktabhängig

PRRS

ja

Bestand; Ferkel

Grundimmunisierung

produktabhängig

Mykoplasmen-Pneumonie

ja

Ferkel (ab 1. Woche)

1 bis 2 Dosen

produktabhängig

E. coli / MMA-Prophylaxe

ja

Sauen vor Abferkeln

2 x in der Trächtigkeit

produktabhängig

Clostridien

ja

Sauen vor Abferkeln

2 x

produktabhängig

Salmonellen

ja

Mastbestand

oral oder parenteral

produktabhängig

Pleuropneumonie (APP)

ja

Mastschweine

2 x

produktabhängig

Afrikanische Schweinepest

nein (EU, Stand 2026)

Maul- und Klauenseuche

nein (Nicht-Seuchengebiet)

 

Wichtige Hinweise zur Impfpraxis:

  • Die Kühlkette für Impfstoffe muss lückenlos eingehalten werden (in der Regel 2 bis 8 °C).
  • Kombinationsimpfungen und Sequenzimpfungen immer mit dem Bestandstierarzt abstimmen
  • Impfstoff Schweinegrippe (Schweineinfluenza) sollte regelmäßig auf aktuell zirkulierende Stämme überprüft und angepasst werden.
  • Impfungen schützen in der Regel vor schweren Verläufen, sie schließen aber eine Infektion nicht in jedem Fall vollständig aus.

Fazit: Schweinegesundheit als Betriebsstrategie

Gesunde Schweine sind kein Zufallsprodukt, sie sind in der Regel das Ergebnis konsequenter Prävention, täglicher Tierbeobachtung, eines strukturierten Impfprogramms und einer professionellen Betriebsführung. Die Bandbreite der Schweinekrankheiten ist groß – von gut behandelbaren bakteriellen Infektionen bis hin zu gefährlichen anzeigepflichtigen Tierseuchen, die einen ganzen Betrieb ruinieren können.

Das Wichtigste in aller Kürze: Früh erkennen. Sofort handeln. Den Tierarzt einbeziehen. Bei Verdacht auf eine anzeigepflichtige Tierseuche gilt zusätzlich: unverzüglich das Veterinäramt informieren, denn jede Verzögerung kann rechtliche und wirtschaftliche Konsequenzen haben.

FAQ – Häufige Fragen zu Schweinekrankheiten

  • In Deutschland sind mehrere Schweinekrankheiten anzeigepflichtig – darunter die Afrikanische Schweinepest (ASP), die Klassische Schweinepest (KSP), die Maul- und Klauenseuche (MKS) sowie die Aujeszkysche Krankheit und die Vesikuläre Schweinekrankheit. Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen besteht die Pflicht zur sofortigen Meldung beim zuständigen Veterinäramt – bereits bei begründetem Verdacht, nicht erst nach gesicherter Diagnose. Meldepflichtig sind sowohl Tierhalter als auch Tierärzte (§ 4 TierGesG). Auf die Anzeige folgen amtliche Maßnahmen wie Bestandssperrung, Probenentnahme und – im Ausbruchsfall – Keulung des Bestands. Daneben gibt es meldepflichtige Tierkrankheiten wie PRRS und Leptospirose, bei denen weniger restriktive Regelungen gelten, die aber ebenfalls gemeldet werden müssen.

  • Einige Schweinekrankheiten sind sogenannte Zoonosen, das bedeutet, sie können vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Für Schweinehalter und Mitarbeiter mit regelmäßigem Tierkontakt sind folgende Erkrankungen relevant:

    • Rotlauf (Erysipelothrix rhusiopathiae) kann durch Hautwunden auf den Menschen übertragen werden und verursacht das sogenannte Erysipeloid, eine lokale Hautinfektion, selten auch eine Herzklappenentzündung.
    • Leptospirose überträgt sich über den Urin infizierter Tiere und kann beim Menschen schwere Nieren- und Lebererkrankungen auslösen.
    • Salmonellose ist durch unzureichend gegartes Schweinefleisch oder direkten Kontakt mit infizierten Tieren auf den Menschen übertragbar.
    • Hepatitis E und Toxoplasmose sind ebenfalls zoonotisch relevant, verlaufen beim Schwein jedoch meist klinisch stumm.
    • In seltenen Fällen kann auch das Schweinegrippe-Virus auf Menschen übertragen werden.

    Personen mit engem Tierkontakt sollten auf konsequente Hygienemaßnahmen achten, insbesondere Händewaschen und das Tragen von Schutzkleidung.

  • Kranke Schweine zeigen in der Regel früh erkennbare Verhaltens- und Körperzeichen. Zu den wichtigen Warnsignalen zählen:

    • deutlich reduzierte oder fehlende Futteraufnahme
    • Apathie und mangelnde Bewegungsfreude
    • Absonderung vom Rest der Gruppe
    • erhöhte Körpertemperatur (über 40,0 °C – Normalwert: 38,0 bis 39,5 °C)
    • Husten, Atemnot oder Nasenausfluss
    • veränderte Kotbeschaffenheit (Durchfall, Blutbeimengungen, Verstopfung)
    • auffällige Veränderungen der Haut (Rötungen, Flecken, Krusten, Juckreiz)
    • Lahmheit, Schwellungen an Gelenken oder ein unsicherer Gang sind ebenfalls ernst zu nehmen.

    Grundsätzlich gilt: Wer seine Tiere täglich und aufmerksam beobachtet, erkennt oftmals Abweichungen frühzeitig – und kann rasch handeln, bevor sich eine Einzeltiererkrankung zum Bestandsproblem ausweitet. Bei Unsicherheit immer den Tierarzt hinzuziehen.

  • Für viele wirtschaftlich bedeutsame Schweinekrankheiten stehen in der Regel wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem: Rotlauf, PCV2 / Circovirus, PRRS, Mykoplasmen-Pneumonie, Pleuropneumonie (APP), Schweineinfluenza, Clostridien, E. coli (zur MMA-Prophylaxe bei Sauen) sowie Salmonellen. Für die Afrikanische Schweinepest und die Maul- und Klauenseuche gibt es in der EU hingegen keinen allgemein zugelassenen Impfstoff (Stand 2026).

    Ein wirkungsvolles Impfprogramm ist immer betriebsspezifisch – es richtet sich nach Tiergruppe, Altersstruktur, Bestandssituation und regionalen Erregervorkommen. Lassen Sie Ihr Impfschema gemeinsam mit dem Bestandstierarzt erstellen und regelmäßig überprüfen.

  • Bei einem Krankheitsausbruch im Schweinebestand gilt: Ruhe bewahren, strukturiert handeln und den Tierarzt sofort informieren. In der Regel wichtige Sofortmaßnahmen sind:

    • Betroffene Tiere unverzüglich in eine Krankenbucht separieren, Körpertemperatur messen und Symptome dokumentieren.
    • Keine Eigenmedikation ohne gesicherte Diagnose – eine falsche Behandlung kann den Krankheitsverlauf verschlechtern und wertvolle Zeit kosten.
    • Jeglichen Tierverkehr (Zu- und Abgänge, Schlachtlieferungen) vorübergehend einstellen, bis der Tierarzt die Lage beurteilt hat.
    • Bei Verdacht auf eine anzeigepflichtige Tierseuche – etwa Afrikanische Schweinepest oder Klassische Schweinepest – muss das zuständige Veterinäramt unverzüglich informiert werden; der Tierarzt kann und sollte diese Meldung begleiten.
    • Hygienemaßnahmen sofort verschärfen: Desinfektionsmatten einrichten, Kleiderwechsel konsequent einhalten, Besucher- und Fahrzeugverkehr auf das Notwendigste beschränken.
    • WICHTIG: Alle Maßnahmen lückenlos dokumentieren, denn diese Unterlagen sind für Behörden, Tierseuchenkasse und Versicherung unverzichtbar.

    BayWa unterstützt Sie mit Fachwissen, Stallhygieneprodukten und einer persönlichen Beratung, die zu Ihrem Betrieb passt. Sprechen Sie uns an.

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* Haftungsausschluss: Die hier bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen weder eine tierärztliche Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung noch eine individuelle tierärztliche Beratung. Die Inhalte stellen keine konkrete Handlungsempfehlung dar; Maßnahmen zur Vorbeugung, Diagnostik oder Behandlung von Tierkrankheiten sollten ausschließlich nach Rücksprache mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt erfolgen.

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